Fhf Tempelhof: Proben an den Hangars

Tor zur Welt - Foto © Beate Moeller

BERLIN | TEMPELHOF – von Carl | bcp

Berlin, die Stadt der Superlativen, kann einen schon auch erschauern lassen. Ben und ich hatten die große Ehre im Proberaum der coolen Jungs von The Incredible Herrengedeck zu üben. So riesig Berlin auch ist, teilt man sich mit anderen Musikern eine kleine Buchte im Gelände des alten Flughafens. Der Raum liegt unweit dem Tunneleingang zu einer der größten Waffenschmieden, die Hitler mit Zwangsarbeitern betrieb. Es ist ein Lagerräumchen in einem der weltweit größten Bauten und direkt gegen über den Zugängen wo die Überlebenden der Flüchtlingswelle in den Hangars untergebracht sind und verharren. Wen Du das gesehen hast, weißt Du, da will niemand freiwillig leben!

Wir kreieren und singen politische, gesellschaftskritische Lieder, Oden an die Berliner Nächte und den schrägen Erlebnissen mit ihren Protagonisten. Heute taten wir dies an einem Ort, wo man vor knapp über 70 Jahren dafür sein Leben gelassen hätte. Wir leben in einer Gesellschaft mit Freiheiten, die andere Länder nie erreichen werden. Wie kann man, wenn man auch nur einen minimalen Funken Verstand besitzt, AfD und schlimmere Parteien wählen. Wie kann eine so fett lebende Masse es nicht schaffen, diese Flüchtlinge mit normalen, humanen Ansätzen zu integrieren. Sind die Tonnen von Leichen, die aus diesen Hangars geschleppt wurden nicht Warnung genug? Sind die selbstlosen Einsätze der Rosinenbomber, die damals den Kriegsleidenden das Leben retteten, keine Anregung? Der so toll benannte Platz der Luftbrücke, ist er nur ein marodes Zeichen, so wie die sanierungsbedürftigen Brücken Land auf, Land ab?

Nein, so arg ist es nicht. Zwar habe ich schon lange nicht mehr von so vielen korrupten Machenschaften gehört wie derzeit, seien es Spekulanten, Händler und andere Widerlingen, die aus der Misere Kapital schlagen, aber es gibt auch ein großes Heer an tollen Helfern, die sich einsetzen wie zum Beispiel Kreuzberg hilft oder Wir für Flüchtlinge. In ganz Deutschland sind mittlerweile zig Organisationen tätig, die meisten ehrenamtlich. Bedenkt man nur, wie viele Menschen jetzt anderen Menschen unsere tolle Sprache beibringen. Ohne viel Geduld und einfühlsamen Verständnis geht das nicht.

Man kann nicht von jedem Menschen erwarten, dass er auf Grund der prekären Lage seinen Alltag über den Haufen schmeißt und jetzt die Ärmel hochkrempelt, um gegen die Not zu kämpfen, aber eins erhoffe ich mir von jedem und jeden Tag am meisten von mir:

„Schalten wir die Hirne ein, denken wir ganz einfach mal nach. Können wir uns selbst lieben? Ernähre ich mich so, wie es unser biologisches Meisterwerk eines Körpers verdient? Brauch ich wirklich für jeden Kleinkram den ich kaufe eine Plastiktüte? Wollen wir, dass wir anerkannt und respektiert werden? Ist es uns wichtig, dass man uns mag und nicht meidet? Ist es nicht wunderbar in einem Land mit solchen Freiheiten zu leben?
Dann sollten wir entsprechend handeln und nicht mutwillig unser Land zerstören, welches andere mit viel Entbehrung, Fleiß und Intelligenz aufgebaut haben! Wer mit Menschen agiert, die egomanisch meinen alles ist meins, die haben nur vergessen, dass sie ohne die anderen gar nichts hätten!“

2016-03-15 Fhf Tempelhof - Foto © bcp_berlin

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